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02/2015

Nachtstücke

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Fotos: Frank Dömer


 

 

 

 

 

Sonderveranstaltung: 02.04.2017 um 16.00 Uhr:

Künstlergespräch mit Barbara Hofmann-Johnson (Museum für Photographie Braun-schweig), sowie keltische Fiddle Music mit David Johnson

bei Kaffee und Kuchen – Herzliche Einladung

Die künstlerische Arbeit von Frank Dömer (*1961) und Gerhard Winkler (* 1962) umfasst unterschiedliche Medien und gestalterische Bereiche, die im Zusammenhang mit Motivfeldern zu Themen der Landschaft und Architektur, des Interieurs oder des Portraits – wozu wie bei Gerhard Winkler der Mensch ebenso wie das Tier gehören kann – in inhaltliche und ästhetische Beziehung zueinander gesetzt werden. Malerei, Zeichnung und Fotografie erscheinen bei beiden Künstlern als vielschichtig eingesetzte Medien und Möglichkeiten, konkrete oder abstrakte sowie metaphorische Bildinhalte miteinander zu verbinden. Neben diesen Aspekten der bildenden Kunst widmete sich Gerhard Winkler darüber hinaus auch der Literatur.

Beide Künstler leben in Köln und studierten an der Städelschule in Frankfurt am Main, wo sie sich bereits mit den offenen Möglichkeiten von Gestaltungsprozessen im medienübergreifenden Sinn beschäftigten und auch schon begegneten.

 

Als gemeinsam konzipiertes Projekt stellt ihre Ausstellung im LABOR mit Werkgruppen fotografischer Arbeiten nunmehr dialogisch eine Auseinandersetzung mit an Sequenzen orientierten Inhalten vor.

So lapidar und sprachspielerisch der Titel der Ausstellung dabei auch klingen mag, liefert er einen Hinweis auf die Arbeiten, die Frank Dömer und Gerhard Winkler zeigen:

Die Bildserie Mizen Blurred von Frank Dömer entstand 2014 in Mizen Head, einer Halbinsel an der Südwestspitze Irlands. Umgeben vom Atlantik, der gen Westen nach Amerika führt, löst sich die Natur und Landschaft in den nebulösen Schwarzweißaufnahmen von Frank Dömer als atmosphärische Abstraktion auf.

In etwa 12° weiten Schritten wurde hierfür die Kamera in einer 360° Drehung um die eigene Achse bewegt und der Fokus auf unendlich gelegt. Der dadurch entstehende Eindruck der Abstraktion behält in seiner Präsentation die abgeschrittene räumliche Abfolge bei. Als mehrteilige Bildserie wird dies für den Betrachter in einer Wandinstallation, bei der Zeit und Überzeitlichkeit in abstrahierten Bildmomenten miteinander verbunden sind, nachvollziehbar.

 

Auch Gerhard Winkler beschäftigt sich in seinen mehrteiligen Bildfolgen, die er im Hinblick auf die szenischen Abfolgen von Einzelbildern in diminutiver Weise als Filmchen betitelt, mit der Wahrnehmung des Menschen in Zeit und Raum. Bei seinen Schwarzweißfotografien handelt es sich dabei überwiegend um Sequenzen, die – ähnlich wie auf Kontaktbögen und an diese angelehnt – entweder Bewegungen des fotografierten Menschen/Tieres zeigen oder aber die Bewegung des Fotografierenden in einem (Landschafts-)Raum vorstellen. Hin und wieder gibt es dabei auch assoziative Bildzusammenstellungen.

 

„Vermutlich geht es bei beiden Arbeiten“ beschreibt Gerhard Winkler das gemeinsame Projekt der Künstler, „in gewissem Sinne auch um die fotografische Wahrnehmung bzw. Vergewisserung von Raum und Zeit – die ja für uns als solche nicht sichtbar sind, sondern nur durch die Veränderung der in ihnen sich bewegenden Objekte bzw. des wahrnehmenden Subjekts für uns erfahrbar werden (Kant, Schopenhauer)“. Neben den beschriebenen Werkgruppen sind weitere Arbeiten beider Künstler zu sehen.

 

Barbara Hofmann-Johnson, 2017

 

 

 

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                                          Spaziergänger in der Dämmerung

 

 

Well, here it come
Good God, here comes the night
Here comes the night
Lonely, lonely, lonely, night (…)

 

Here comes the Night, Van Morrison & Them, 1965

 

 

 

 

Der Begriff des Nachtstücks findet kulturhistorisch sowohl in der Malerei, als auch in der Literatur und in der Musik Anwendung. Beschreibt er in der Literatur Werke eher düsteren, unheimlichen Charakters (bei E.T.A. Hoffmann und anderen Vertretern der »Schwarzen Romantik«), so steht er in der Musik in Form des Nocturnes (bzw. Notturnos) in erster Linie für getragene, »träumerische« Klavierstücke (Frédéric Chopin, John Field).

Auf dem Gebiet der Malerei erfuhr das Sujet der Nachtstücke, das sich zwischen dem 15. und 17. Jhdt. großer Beliebtheit erfreute (Rembrandt, Bosch), in der Epoche der Romantik eine Renaissance, die mit einer inhaltlichen Neu-Orientierung verbunden war: Die Künstler (hier denkt man natürlich in erster Linie an Caspar David Friedrich und seine Schule) schufen nun nächtliche Landschaften mit oft geheimnisvollen Lichtverhältnissen, die als existentielle „Seelen-Landschaften“ gelesen werden konnten.

Das beginnende 20.Jahrhundert sah das Nachtstück dann vor allem in Gestalt von Postkarten mit Mondscheinmotiven, allenfalls Magrittes „Reich der Lichter“ mag einem noch in den Sinn kommen. Wie zahlreiche andere Sujets der Malerei (Blumen, Seestücke etc.) fiel es einem zwar undeutlichen, doch umso nachdrücklicheren Modernitäts-Verdikt zum Opfer, galt (und gilt) als explizit romantisch, was nach wie vor häufig mit Kitsch gleichgesetzt wird.

Überblickt man Winklers nunmehr drei Jahrzehnte umspannendes, ungewöhnlich vielgestaltiges Werk, so fällt auf, dass er immer wieder unwillkürlich diese »sujets non gratae« aufgreift und dabei auch den ein oder anderen »Faux pas« nicht scheut. Das eigentlich Interessante daran scheint uns aber zu sein, wie er das tut: An einer Provokation oder gar einem »Tabubruch“ liegt ihm offenbar nichts, und obwohl in seinen Arbeiten der Humor immer wieder ein wichtiger Bestandteil ist, verzichtet er im ganzen auf jegliche absichernde ironische Brechung. Er scheint es ernst zu meinen. Tatsächlich nähert er sich seinen Motiven mit der Neugier und Unbefangenheit eines zeitlosen Promeneurs, er nähert sich ihnen »en passant« und unvoreingenommen … – und ganz unter uns Internatsschülerinnen: Ist es denn etwa kein kostbares Momentum der Zeitenthobenheit, wenn wir vor einem Gemälde des 16. oder 19. Jahrhunderts stehen und uns von ihm berührt und bewegt fühlen, ganz ähnlich wohl wie die zeitgenössischen Betrachter dieser fernen Epochen?

Spricht man übrigens Winkler darauf an, dass die von ihm verwendete fotografische Technik der Kolorierung mit Eiweiß-Lasurfarben im Allgemeinen unwillkürlich in Zusammenhang mit kitschig-nostalgischen Postkarten gebracht wird, also als eine un-künstlerische, un-zeitgenössische Technik gilt, zuckt er nur mit den Achseln – er scheint sich nicht sonderlich für die aktuellen Konnotationen und Konventionen und die damit verknüpften Rezeptionsmuster zu interessieren. Allenfalls der Aspekt des Un-Künstlerischen scheint ihm nicht ganz ungelegen zu kommen. Alle Künstler sind eitel, und in seinem Fall mag sich die Eitelkeit auf den in der Tat kuriosen Umstand gründen, dass es ihm gelungen ist, in einer Zeit der scheinbar unbegrenzt heterogenen Kunst (und Fotografie)-produktion ein Außenseiter und Einzelgänger zu bleiben.

Und so wird auch weiterhin der ein oder andere diskurs- und kontextaffine Connaisseur mit einem gewissen Gefühl der Ratlosigkeit vor den Bildern dieses Künstlers stehen. Diese Ratlosigkeit aber scheint uns in einem sonderbar wechselseitigen Verhältnis mit der auratischen Präsenz zu stehen, die von Winklers eigentlich lapidaren Fotoarbeiten ausgeht.

 

Anne Sévigné

 

 

                                                                      Rambler in the Dusk

 

 

 

Well, here it come
Good God, here comes the night
Here comes the night
Lonely, lonely, lonely, night (…)

Here comes the Night, Van Morrison & Them, 1965

 

 

 

 

The concept of Nachtstücke (nocturnes) has its culturo-historical counterpart in music, painting and literature. In literature, it tends to describe eerie and gloomy characters (as found in the works of E.T.A. Hoffmann and other representatives of „Black Romanticism“); in the domain of music, however, it primarily appears in the form of nocturnes (Nottornos) and, above all, in „melancholic piano pieces“, such as those of Frèderic Chopin and John Field.
In the domain of painting, the notion of Nachtstücke, which enjoyed immense popularity between the 15th and 17th centuries (Rembrandt and Bosch) in the epoch of the Romantics, experienced a renaissance that was associated with a new orientation and ideas charged with content. From this time on, the artists (one naturally thinks of Caspar David Friedrich and his school) now created nocturnal landscapes, which often involved mysterious illuminations that could be interpreted as existential „soul landscapes“.

In the early 20th century, Nachtstücke generally appeared in the form of postcards displaying motifs of the shining moon. At best, Magritte’s The Empire of Light might still come to mind here. And like so many other subjects in the field of painting (flowers, sea motifs, etc.), they became the victim of an obscure verdict imposed by modernity that was (and still is) considered to be explicitly romantic – a feature that frequently continues to be equated with kitsch.

If one examines Winkler’s all-embracing, polymorphic work, which now spans more than three decades, it is striking to see how he repeatedly and unconsciously takes up these „sujets non gratae“ and is unafraid to make this or that „faux pas“ in the process. For us, however, the truly interesting aspect seems to be the way he does so: He is evidently not in the least interested in provoking his audience or breaking taboos; and although humour has always remained a central feature in his works, he generally avoids all kinds of ironic ruptures aimed at protecting himself. He seems to take this very seriously. Indeed, he approaches his motifs with the curiosity and impartiality of a timeless wanderer „in passing“, as it were, and without prejudice – and entirely among us boarding-school pupils: Isn’t this a precious moment: the transcendence of time, as we stand before a painting dating from the 16th or 19th century and feel touched and moved by this – feeling as equally at ease as the contemporary observers of these distant epochs?

Incidentally, if Winkler is asked about this: i.e. that the photographic technique of colouring an object using albumen in egg yoke glazing medium in general and applying it arbitrarily in connection with kitschy-nostalgic postcards, in other words: if he merely shrugs his shoulders (as an un-artistic and un-contemporary technique), it is because he does not seem particularly interested in the latest contemporary connotations and conventions, nor in the related receptive patterns. At best, it is the unartistic aspect that is not so particularly convenient as far as he is concerned. All artists are vain, and in his case vanity certainly does appear to be based on a strange premise that allows him – in an age of seemingly unlimited hererogenic art (and photographic) production– to remain an outsider and a loner.

And as a consequence, one or the other of the discourses and contextaffine connoisseurs with a certain sense of perplexity will continue to stand before the artist’s paintings. As far as we can tell, however, his restlessness seems to share a remarkable reciprocal relationship with the auratic presence from which Winkler’s basic succinct lapidary photographs arise.

Anne Sévigné

 

 

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Nachtstück Cote bleue, Marseille, 2016, 103 x 205 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

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Nachtstück Galicien I, 1999, 62 x 92 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

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Nachtstück Algarinho (Bairrada Portugal), 2015, 91 x 158 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

Nachtstück Rio Seco (Bairrada Portugal), 2015, 91 x 158 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

 

 

Mont Puget dunkel

Mont Puget II (Marseille), 1996, 72 x 158 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

Hafen v Lissabon

Hafen von Lissabon II, 1994, 26 x 60 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

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Nachtstück Andalusien, 1993, 34 x 122 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 5 + II / Abb. I/5 + II

 

 

 

Nachtstück Bairrada (Algarinho), 2015, 85 x 141 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

Nachtstück Bairrada (Algarinho), 2015, 91 x 151 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2


First of all I would like to make one thing clear … I never explain anything.

Mary Poppins

 


 

Das wesentliche Merkmal des Protestantismus, der den Gläubigen in Beziehung setzt ohne die Vermittlung der Kirche, die für den Katholiken eins ist mit dem Christentum, kommt in den monumentalen Musikschöpfungen der Schütz, Bach, Händel zu gültigem Ausdruck: Gott, die Liebe, wird Fleisch, wirkt in der Welt und wurde von der Welt gekreuzigt, die Urtragödie der Menschheit offenbarte sich in Tönen durch das protestantische Genie. Das katholische Genie Österreichs hat ihm die Komödie gegenübergestellt, wenn man diesen Begriff im höchsten Sinne fasst. Die katholische Kirche steht zwischen Gott und dem Menschen, die ewige Glut mildernd, den Strom der himmlischen Gnade verteilend, einen heiteren Glanz gleichmäßig verbreitend. Das Himmlische steht dort nicht dem Menschlichen in einem Gegensatz gegenüber, der vernichtend sein kann, sondern mischt sich ihm vertraulich. Die Mischung des Überirdischen und Irdischen lässt das Leben als Komödie erscheinen, als ein Gewebe von Verwicklungen und Lösungen, von Verfehlung und Versöhnung, von Gutem und Bösem, das trotz seines Widerstandes in das allbeseligende göttliche Licht aufgenommen wird. Der Gegensatz der menschlichen Wirrsale zu der hohen göttlichen Ordnung stellt sich in Abstufungen des Komischen, Humoristischen, Wehmütigen bis zum Komisch-Tragischen dar, welches letztere in dem Durcheinander der Elemente nur ein Anklang sein kann. Den Sieg behält das göttlich-gütige Lächeln, das menschliche Torheit und Bosheit mit unerschöpflicher Gnadenfülle auszugleichen verheißt. In diesem Sinne war das mittelalterliche Mysterienspiel Komödie, wo der Teufel als komische Person in die Passion des Herrn hineingrinsen durfte. Von diesem Geist erhielt sich etwas in den katholischen Ländern, namentlich in Österreich, sowohl durch Volksgebräuche wie durch die dramatischen Aufführungen an den Jesuitenschulen. Sie waren durch Hinzufügung von Musik und durch die Wirkung künstlicher Maschinen nicht selten großartig und erhielten den Sinn für das Ineinanderspielen von Himmel, Hölle und Erde, für das Verzaubernde der Musik, für die Aufgabe der Kunst, die Alltäglichkeit des Lebens mit dem Schein des Wunderbaren zu durchleuchten.

Ricarda Huch

Untergang des Römischen Reiches deutscher Nation (Deutsche Geschichte, Band III)

 

 

 

 

Nachtstück Sao Pedro I, 2015, 100 x 140 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

Nachtstück Sao Pedro I, 2015, 100 x 140 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

 

 

Jardim botanico/Principe Real (Lissabon), 2015, 72 x 137 cm, Edition 2 (Abb. 2/2)

Jardim botanico/Principe Real (Lissabon), 2015, 72 x 137 cm, Edition 2 (Abb. 2/2)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nachtstück Sao Pedro II, 2015, 98 x 140 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 


 

 

Aber Lebendige machen alle den Fehler, dass sie zu stark unterscheiden.

Engel (sagt man) wüßten oft nicht, ob sie unter Lebenden gehen oder Toten.

Rainer Maria Rilke, 1. Duineser Elegie

 


 

 

 

 

 

Nachtstück Frioul

Nachtstück Ile de Frioul, 1999, 42 x 58 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

 

 

Nachtstück Rue des Abeilles (Marseille) III, 2015, 140 x 102 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

Nachtstück Rue des Abeilles III (Marseille), 2016, 145 x 101 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 


 

Nirgends, Geliebte, wird Welt sein, als innen. Unser Leben geht hin mit Verwandlung. Und immer geringer schwindet das Außen.

Rainer Maria Rilke, 7. Duineser Elegie

 


 

 

Gluck erzählte gelegentlich einem Freunde, in seiner Heimat Böhmen treibe alles Musik, selbst in den kleinsten Dörfern ,die Jugend in der Schule, die Alten im Kirchenchor .Das bringt auf den Gedanken, dem Einströmen slawischer Bevölkerung in das benachbarte Sachsen sei vielleicht die Geburt der Musik in diesem Lande zu danken, wenn auch der Ursprung aller Dinge, die wir als göttlich empfinden, nie ganz zu klären ist …

(…) Da die Musik in ihrem Tonsystem der Zahl verwandt ist und deshalb zu den Formen gehörte, von denen man annahm, dass das Weltall in ihnen aufgebaut sei, war sie von jeher für eine heilige Kunst gehalten worden; man glaubte, dass die kosmischen Ordnungen einem schärferen Ohr, als das menschliche ist, in harmonischen Akkorden erklängen. Für den mittelalterlichen Menschen hatte der Kosmos seinen Grund im Wesen Gottes, und die Musik rückte dadurch dem Weltenschöpfer nah und in das Gebiet der Religion. Sie wurde ausgebildet und ausgeübt nach sinnreich ausgewogenen Gesetzen, die für den kirchlichen Gebrauch streng befolgt wurden, eine heilige Wissenschaft ebenso wie eine heilige Kunst. In der Musik, die Luther vorfand, bildete noch immer der einstimmige Gregorianische Kirchengesang den Kern, den man Tenor nannte. Er versinnbildlichte das Wort Gottes, das ruhende Urbild des Seins, und war umgeben von den Stimmen des Diskant, Alt und Bass, die, von ihm ausgehend und doch ihm ungleich, als das Erschaffene das Unerschaffene umspielten, zugleich es widerspiegelnd und verhüllend. Durch die ihn umspielenden Stimmern wurde der Tenor, der göttliche Urgrund, dem Hörer eigentlich erst erfassbar. Sie umringten das furchtbare Geheimnis gleichsam wie die priesterliche Kirche, die das Laienvolk vor dem Abgrund der Ewigen Glut schirmt und ihm mit geweihten Händen davon austeilt, was ihm verständlich und dienlich ist.

Ricarda Huch

Untergang des Römischen Reiches deutscher Nation (Deutsche Geschichte, Band III)

 

 

 

Nachtstück Rue des Abeilles (Marseille) II, 2015, 101 x 142 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

Nachtstück Rue des Abeilles II (Marseille), 2016, 100 x 143 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

 

 

 

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Lissabon, Rio Tejo, 2016, 41 x 59 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 


 

 

Hiersein ist herrlich.

 

Rainer Maria Rilke, 7. Duineser Elegie


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Lissabon, Rio Tejo II, 2016, 41 x 59 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 


 

 

Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.
Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen
wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,
und die findigen Tiere merken es schon,
daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind
in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
irgend ein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich
wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern
und das verzogene Treusein einer Gewohnheit,
der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht.

 

Rainer Maria Rilke, 1. Duineser Elegie

 


 

 

 

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Nachtstück Andalusien, 1992/2016, 27 x 61,5 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 5 + II e.A.

 

 

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Nachtstück Galicien Nr.II, 1999, 62,5 x 92 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

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Nachtstück Galicien Nr.II (Detail), 1999, 62,5 x 92 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

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Nachtstück Galicien Nr.I, 1999, 62,5 x 92 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 


 

Mit allen Augen sieht die Kreatur
das Offene. Nur unsre Augen sind
wie umgekehrt und ganz um sie gestellt
als Fallen, rings um ihren freien Ausgang.
Was draußen ist, wir wissens aus des Tiers
Antlitz allein; denn schon das frühe Kind
wenden wir um und zwingens, daß es rückwärts
Gestaltung sehe, nicht das Offne, das
im Tiergesicht so tief ist. Frei von Tod.
Ihn sehen wir allein; das freie Tier
hat seinen Untergang stets hinter sich
und vor sich Gott, und wenn es geht, so gehts
in Ewigkeit, so wie die Brunnen gehen.

Rainer Maria Rilke, 8. Duineser Elegie

 


 

 

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Nachtstück Galicien Nr.I (Detail), 1999, 62,5 x 92 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

 

 

 


 

 

 

J.D. Steelritter ist wie viele ältere Erwachsene intolerant bis dorthinaus. Mark Nechtr ist das, wie die meisten jungen Menschen in dieser seltsamen Zeit, NICHT. Dabei muss er zugeben, dass sein Arassismus völlig eigennützige Gründe hat. Wenn alle Schwarzen großartige Tänzer und Sportler sind und alle Asiaten intelligent, identisch und fleißig, wenn alle Juden sich großartig aufs Geld- und Literaturmachen verstehen und sich dank ihrem Zusammenhalt so gut durchboxen, und wenn schließlich alle Latinos großartige Liebhaber und Messerstecher und Grüngrenzengänger sind — ja meine Fresse, was bleibt dann eigentlich noch den weißen angelsächsischen Protestanten? Welche großartige Gemeinsamkeit bringt uns Weißbrote für den Rassisten unter das solide Dach des Stereotyps? Nichts. Ein namen- und gesichtsloser großer weißer Mann. Für Mark ist Rassismus eine Art schräger Masochismus. Eine Methode, dank der wir uns absolut und sinnlos allein fühlen. Identitätslos.

DAVID FOSTER WALLACE (1962 – 2008), »WESTWÄRTS GEHT DER LAUF DES WELTREICHS« (1989)

 


 

Just do your thing, and you’ll be king.

Bob Dylan, »If Dogs run free« (1970)

 

 

 


 

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40 Sardinen, 2015, 40 x 24 x 30 cm (112 x 280 cm), s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2

 

 

 


Krakenkaufen

 

 

 

 

 

 

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Ende November 2014 erschien der Roman „Krakenkaufen“ im Verlag Darling Publications.
941 Seiten, 15 x 21 cm, Softcover, 40 Farb- und 30 Schwarzweiss-Abbildungen.

ISBN 978-3-945525-04-3
28 €

(Abb. oben u. unten: Klappcover und Innencover)

Layout 1

 

 

 

 


 

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Cela s’est passé peu à peu                                             Nach und nach ging es vorbei.

Je hais maintenant les élans                                          Ich hasse jetzt die mystischen

mystiques et les bizarreries de style.                             Aufschwünge und die Ab-

Maintenant je puis dire que                                            sonderlichkeiten des Stils.

l’art est une sottise.                                                        Ich kann jetzt sagen, daß die

(Les) Nos grands poètes                                                Kunst eine Dummheit ist.

(illisible) aussi facile: l’art                                             (Die) unsere großen  Dichter

est une sottise.                                                               (unleserlich) ebenso leicht:

Salut a la bont.                                                               Die Kunst ist eine Dummheit.

                                                                                        Gepriesen sei Güte.

 

                                                   Arthur Rimbaud (1854 – 1891), »Bonr«/»Glück«,



 

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Peixe Fadista, 2003, 45,5 x 114,5 cm, s-w-Barytpapier koloriert, Edition 2


 

 

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Homo sapiens – Homo neandertalensis, 2016, 40 x 60 cm, C-Print.

 

 


 

»…ca. 300 000 000 v.o.n. Chr.«

Skulpturen 2010 –

Wachs, Schellack, Holz, Metall, div. Kunststoffe. Größe variabel.

 

 

 

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162 x 112 x 48 cm

 

 

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Helm clean web

 

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Höhe 136 cm

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Zustandsfoto Juni 2016

 

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Höhe 198 cm

 

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Zustandsfoto Julii 2016

 

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Zustandsfotos, Juli 2016.

 

 

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Modell, Dezember 2016

 

 

 

 

 


 

Lebte der Mensch nicht gefährlich – was hätte er je zu Wege gebracht?

Golo Mann (1909 – 1994), Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (1958)

 

Der Weg der neueren Menschheit geht von der Humanität durch die Nationalität zur Bestialität.

Franz Grillparzer (1791 – 1872), zitiert in Golo Mann, Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts


 

 

 

Die Wahrheit macht dich frei. Aber vorher macht sie dich fertig.

David Foster Wallace (1962 – 2008), »Unendlicher Spaß« (1996).

 


 

 

Unsere größten Befürchtungen gehen so wenig wie unsere größten Hoffnungen über unsere Kraft, wir können schließlich die einen bezähmen und die anderen trotz allem verwirklichen.

 

Marcel Proust (1871 – 1922), »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«, Band X »Die wiedergefundene Zeit« (1927, posthum).

 

 

 

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